Liquam wird 10 Jahre alt! Seit 2013 begleiten wir Unternehmen bei der strategischen Ausrichtung und Umsetzung digitaler Themen. Ein Jahrzehnt klingt in der Welt der digitalen Ökonomie wie eine Ewigkeit – und tatsächlich hat sich seit unserer Gründung fast alles verändert. In unserer aktuellen Podcast-Jubiläumsfolge blicken wir zurück auf eine Dekade des Wandels und diskutieren, warum „Digitalisierung“ oft falsch verstanden wird und warum Unternehmen ihre Naivität ablegen müssen. Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus 10 Jahren Liquam.
1. Die Evolution des Begriffs „Digitalisierung“
Als wir 2013 starteten, war die Vorstellung von Digitalisierung oft simpel: Analoges wird digital. Wir erhielten damals tatsächlich Anfragen, ob wir VHS-Kassetten digitalisieren könnten. Heute schmunzeln wir darüber, aber es zeigt, wie sehr sich das Verständnis gewandelt hat. Über die Jahre wurde „Digitalisierung“ zum ultimativen Buzzword – und hat sich dabei fast abgenutzt. Wir versuchen heute, uns von dem Begriff zu distanzieren, denn er greift zu kurz. Es geht nicht mehr nur um den Einsatz digitaler Werkzeuge. Es ist ein tiefgreifender, kontinuierlicher gesellschaftlicher und unternehmerischer Veränderungsprozess. Wer heute noch glaubt, Digitalisierung sei ein abgeschlossenes Projekt (z.B. „Wir bauen einen Webshop“), hat den Kern des Wandels verpasst.
2. Der Trugschluss von Tools und „Silicon Valley Tourismus“
Ein großes Missverständnis der letzten zehn Jahre ist die Verwechslung von Infrastruktur mit Strategie. Sebastian erzählte im Podcast von einer Ausschreibung für eine „Digitalstrategie“, die sich am Ende als reine Beschaffungsliste für Hardware und Software entpuppte.Viele Führungskräfte pilgerten ins Silicon Valley, um den „Spirit“ aufzusaugen. Sie kamen ohne Krawatte, dafür mit Bart und Sneakers zurück – aber oft ohne das Verständnis dafür, wie man das Mindset wirklich in die DNA eines traditionellen Unternehmens überträgt. Das Problem ist oft nicht das fehlende Wollen, sondern das „Innovator’s Dilemma“. Bestehende, erfolgreiche Strukturen und Policies in etablierten Unternehmen verhindern oft genau die Innovation, die für das Überleben notwendig wäre.
3. War Corona wirklich der Brandbeschleuniger?
Es ist eine populäre These, dass die Pandemie die Digitalisierung massiv beschleunigt hat. Wir sehen das differenzierter. Corona hat uns Tools wie MS Teams und Zoom gebracht und Homeoffice salonfähig gemacht. Aber: Wer glaubt, dass die Einführung von Videokonferenzen bereits eine digitale Transformation des Geschäftsmodells darstellt, unterliegt einem Irrtum. In vielen Fällen führte die Unsicherheit der Pandemie sogar dazu, dass strategische Projekte pausiert wurden („Kurzarbeit statt Innovation“). Echte Transformation bedeutet, Prozesse zu automatisieren und Geschäftsmodelle neu zu denken – nicht nur, Meetings virtuell abzuhalten.
4. Die Zukunft: Naivität ablegen
Wenn wir nach vorne blicken, ist eines klar: Das Ausmaß der Veränderungen wird immer noch unterschätzt. Technologien wie Autonomes Fahren oder KI sind keine Spielereien, sondern haben das Potenzial, ganze Berufsbilder (vom LKW-Fahrer bis zum Anwalt oder Arzt) und unser gesellschaftliches Zusammenleben radikal zu verändern. Im Podcast betont Sven: „Wir müssen die Naivität ablegen.“ Vor zehn Jahren dachten wir, niemand würde Schuhe kaufen, ohne sie anzuprobieren. Heute ist es Standard. Genauso müssen wir uns heute fragen: Welches „unmögliche“ Szenario wird morgen mein Geschäftsmodell bedrohen? Die letzten 10 Jahre haben gezeigt: Es gibt kein Standardlehrbuch für diesen Wandel. Die Geschwindigkeit nimmt zu, und die Halbwertszeit von Wissen sinkt. Umso wichtiger ist es, flexibel zu bleiben, Strukturen aufzubrechen und die Veränderung als Dauerzustand zu akzeptieren.










