Infineon-Chef Jochen Hanebeck hat eine klare Vision: Humanoide Roboter sind das nächste große Ding nach der KI-Welle in den Rechenzentren. Der Clou dabei: Das Unternehmen muss das Rad nicht neu erfinden. Viele Chips, die heute bereits in autonomen Autos verbaut werden, wandern morgen einfach eins zu eins in die Roboter-Arme und -Beine.
Warum ist das wichtig?
Ein einziger humanoider Roboter benötigt zwischen 1.100 und 2.200 Chips. Das entspricht, in Bezug auf die Anzahl der Chips, einem Tesla auf 2 Beinen, nur ohne das ganze Blech drumherum. Das Umsatzpotenzial pro Roboter liegt für Infineon bei rund 500 Dollar. Wenn man bedenkt, dass Analysten für 2035 mit bis zu 11,6 Millionen Einheiten rechnen, wird schnell klar: Hier entsteht ein massiver vertikaler Markt. Wer die Hardware-Basis kontrolliert, kontrolliert die Skalierung der physischen KI.
Unsere Einordnung
Es ist ein smarter Schachzug, made in Neubiberg, mit gesundem Understatement: Infineon nutzt bestehende Skaleneffekte aus der Automobilindustrie, um einen entstehenden Markt zu besetzen, ohne Milliarden in riskante Neuentwicklungen zu versenken. Die Kooperation mit Nvidia bei der Steuerung (Jetson Thor) zeigt zudem, dass man verstanden hat, dass Hardware ohne das passende Software-Ökosystem wertlos ist. Aber Achtung: Hanebeck warnt zu Recht, dass China und die USA sich bereits ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern.
One more: Das Risiko des Nichtstuns
Die technischen Hürden bei der Geschicklichkeit und dem Urteilsvermögen fallen gerade in Rekordtempo. Wenn die Fabriklogistik der Konkurrenz erst einmal von 24/7-operierenden Robotern übernommen wird, lässt sich dieser Effizienzvorsprung nicht mehr durch „härteres Arbeiten“ der Belegschaft aufholen. Der Anschluss wird nicht schrittweise, sondern schlagartig verloren gehen.