Quick Commerce: Indien explodiert und Deutschland ist auf dem Boden der Tatsachen angekommen

Unser Podcast mit Sven Kramer & Sebastian Karger

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Die digitale Welt dreht sich schnell! Dieser Artikel wurde vor mehr als 180 Tage veröffentlicht. Während die grundlegenden Überlegungen weiterhin relevant sein können, entsprechen möglicherweise nicht mehr alle Details oder Daten dem heutigen Stand. Benötigen Sie tagesaktuelle Einschätzungen? Sprechen Sie uns gerne an!

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Update

Drei Lieferdienste auf Rollern (Zepto, Blinkit, Swiggy) in einer indischen Großstraße vor Werbeplakaten für 10-Minuten-Lieferung.

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Während bei uns die letzten pinken und türkisen Lieferräder aus dem Stadtbild verschwunden sind, dreht Indien auf. 9,5 Millionen Bestellungen pro Tag. Im März 2025 waren es bei den Top-Playern noch rund 4,8 Millionen, keine anderthalb Jahre später hat sich das Volumen fast verdoppelt. Marktführer Blinkit hält 36,7 Prozent, Zepto hat Swiggy Instamart gerade auf Platz zwei überholt.

Zur Erinnerung, wie das in Deutschland lief: Getir kaufte Gorillas 2022 für 1,2 Milliarden Dollar und verbrannte trotzdem hunderte Millionen. 2024 zogen sich beide zurück. Übrig blieb Flink, inzwischen auf EBITDA-Ebene profitabel und bei rund 900 Millionen Dollar bewertet. Der deutsche Markt wächst mit soliden, aber unaufgeregten 8 Prozent im Jahr. Zwei Geschwindigkeiten, ein Geschäftsmodell.

Warum ist das wichtig?

Das 10-Minuten-Versprechen ist hier tot, Flink liefert heute im Schnitt in rund 30 Minuten. Ein positiver Deckungsbeitrag beginnt erst ab etwa 30 Euro Warenkorb. In Indien sieht die Rechnung alleine durch deutlich niedrigere Zustellkosten gänzlich anders aus.

Der entscheidende Unterschied liegt abseits der Kosten: In Deutschland steht an jeder Ecke ein Discounter, die Lebensmittelmarktdichte gehört zu den höchsten Europas. Die Lücke, die Quick Commerce hierzulande füllen soll (oder sollte), ist klein. In indischen Metropolen präsentiert sich die Alternative ganz unterschiedlich: bei Hitze, Verkehr und fragmentiertem sogenannten Kirana-Handel (traditioneller, familiengeführter Einzelhandel).

Unsere Einordnung

Nur weil etwas technisch möglich ist, muss es nicht gut sein. Quick Commerce zeigt schön, dass ein Geschäftsmodell zum Markt passen muss. Indiens 9,5 Millionen Bestellungen können nicht als Blaupause für Europa gelesen werden. Die deutschen Anbieter haben rund zwei Milliarden Euro gebraucht, um zu lernen, dass zehn Minuten kein Geschäftsmodell sind, sondern ein Marketingversprechen. Die Technologie war nie das Problem. Die Mathematik und der Markt waren es.

One more: Als die Investoren FOMO bekamen

Kurzer Blick zurück, weil er lehrreicher ist als jede Zahl von heute. Zu Hochzeiten von Gorillas flossen Milliarden in Quick Commerce und zwar nicht von Hinterbänklern. Es gab Top-Adressen, die teils parallel in dieselben Player investierten. Allein Gorillas sammelte 2021 in einer einzigen Runde rund 950 Millionen Dollar ein.

Dabei war die Wette schon damals kaum zu greifen. Kein tragfähiger Deckungsbeitrag, kein bewiesenes Modell, nur eine steile Kurve. Trotzdem schaute die halbe Branche gebannt zu, weil so viel Reputation im Raum war. Wenn die alle einsteigen, muss ja etwas dran sein. War es aber nicht, zumindest nicht hier. Sondern war zu einem großen Teil die Angst, den nächsten großen Sprung zu verpassen.

Für unsere Kunden geht es an dieser Stelle noch weiter.
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