Der Bewerber, der gar nicht existiert

Unser Podcast mit Sven Kramer & Sebastian Karger

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Die digitale Welt dreht sich schnell! Dieser Artikel wurde vor mehr als 180 Tage veröffentlicht. Während die grundlegenden Überlegungen weiterhin relevant sein können, entsprechen möglicherweise nicht mehr alle Details oder Daten dem heutigen Stand. Benötigen Sie tagesaktuelle Einschätzungen? Sprechen Sie uns gerne an!

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Update

Hacker mit Kapuzenpullover im dunklen Raum vor mehreren Monitoren. Im Hintergrund eine Whiteboard-Notiz zu „Ballena Azul“ und nordkoreanischen IT-Kräften.

Open AI - mit Hilfe von KI generiert

Forscher haben eine komplett gefälschte Krypto-Firma namens Ballena Azul aufgebaut. Nicht um Geld zu verdienen, sondern um mutmaßliche nordkoreanische IT-Kräfte anzulocken und fünf Wochen lang beim Arbeiten zu beobachten. Die "Entwickler" bewarben sich mit US-Ausweisen, lösten Programmieraufgaben und hatten keine Ahnung, dass die ganze Firma gar nicht wirklich existierte.

Am Ende hinterließen sie Chatlogs, Wallet-Daten, VPN-Knoten und stundenlanges Videomaterial. Eine Goldgrube für die Ermittler.

Der eigentliche Clou ist aber nicht die Spionage-Geschichte. Es ist die Erkenntnis, wie diese Leute an ihre Jobs kommen. Nämlich über ganz normale Bewerbungsprozesse, verifizierte Konten und freundliche Freelancer im Westen, die ihren Laptop gegen Bezahlung fernsteuern lassen.

Warum ist das wichtig?

Sobald so jemand eingestellt ist, hat er legitimen Zugang zu internen Systemen, Quellcode und sensiblen Daten. Je länger er unentdeckt bleibt, desto länger fließt Gehalt und dieses Geld hilft laut Ermittlern am Ende, das nordkoreanische Regime zu finanzieren. Das US-Finanzministerium schätzt die Einnahmen solcher Schemata auf fast 800 Millionen Dollar allein für 2024.

Das Bemerkenswerte an den beobachteten Arbeitern war ihre Improvisation. Kein glatter Prozess, kein festes Drehbuch. Stattdessen ChatGPT fürs Coden und Beantworten von Aufgaben, an denen sie selbst scheiterten und Gemini fürs Fälschen von Dokumenten und Bildern.

Unsere Einordnung

Der Bewerbungsprozess ist zur Angriffsfläche geworden und die meisten Unternehmen prüfen dort immer noch, ob der Lebenslauf hübsch formatiert ist.

Identitäten müssen sauber verifiziert werden. Bei Video-Calls auch mal aus dem Skript ausbrechen, so wie die Forscher es getan haben, als sie einen Bewerber baten, sich in seiner Muttersprache vorzustellen. Er hat das Interview daraufhin abgebrochen. Und Zugänge nach dem Prinzip der minimalen Rechte vergeben, damit ein einzelner falscher Mitarbeiter nicht gleich das ganze Haus offen hat.

One more: Nichts davon ist neu

Neu ist nur, dass es jetzt jeden betrifft und nicht mehr nur die Firmen mit dem Wort "Crypto" im Namen.

Früher brauchte man Sprachtalent, Insiderwissen und eine ordentliche Portion krimineller Energie, um sich glaubhaft als jemand anderes auszugeben. Heute reicht ein KI-Tool. Wer kein Englisch kann, lässt formulieren. Wer nicht coden kann, lässt coden. Wer keine passende Vita hat, lässt sich eine bauen. Die Hürde, überzeugend Skills vorzutäuschen, die man gar nicht hat, ist von "jahrelanger Aufwand" auf "ein paar Prompts" gesunken. Das ist der eigentliche Unterschied. Nicht die Masche ist neu sondern die Zahl der Leute, die sie beherrschen und die Zahl der Unternehmen, die es trifft.

Für unsere Kunden geht es an dieser Stelle noch weiter.
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