Anthropic geht an die Börse und legt die Karten auf den Tisch

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Update

Balkendiagramm zum Wachstum der Unternehmenskunden mit über 100.000 Dollar TTM-Umsatz von rund 20 Kunden (2023) auf über 11.900 Kunden (September 2026)

Anthropic

Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, hat seinen Börsenprospekt veröffentlicht. Start womöglich noch vor Thanksgiving. Angepeilt sind rund 100 Mrd. $ Emissionsvolumen bei einer Bewertung zwischen 1,5 und 2 Billionen $. Damit könnte es der größte Börsengang aller Zeiten werden. Spannend: Zum ersten Mal sehen wir schwarz auf weiß, wie ein führendes KI-Labor wirtschaftlich tickt.

Warum ist das wichtig?

Bisher war KI-Ökonomie vor allem Bauchgefühl und Pressemitteilung. Jetzt gibt es geprüfte Zahlen. Der Umsatz im ersten Halbjahr lag bei 16,3 Mrd. $ nach 1,2 Mrd. $ im Vorjahreszeitraum. Der operative Verlust ist auf knapp 700 Mio. $ geschrumpft, im zweiten Quartal stand sogar ein kleines Plus. Gleichzeitig hat sich Anthropic über die nächsten sieben bis zehn Jahre zu Rechenleistung im Wert von über 475 Mrd. $ verpflichtet, größtenteils unkündbar.

Dazu kommt eine Governance, die man so selten sieht. Die sieben Gründer halten über eine gemeinsame Gesellschaft eine einzige Aktie mit 50,1 % der Stimmrechte. Ein unabhängiger Trust bestimmt die Mehrheit des Boards. Wer also Aktien kauft, kauft nur wirtschaftliche Beteiligung. Mitreden darf er kaum.

Unsere Einordnung

Anthropic ist bei vielen unserer Kunden längst Teil der Wertschöpfung, oft unsichtbar über AWS, Google Cloud oder Azure. Rund die Hälfte des Umsatzes läuft genau über diese Plattformen. Gut zu wissen, wer da eigentlich im Maschinenraum sitzt.

Der Umsatz wächst deutlich schneller als die Rechenkosten. KI wird also nicht nur besser, sondern für den Anbieter auch effizienter. Das dürfte mittelfristig bei den Preisen ankommen. Aber: Die Branche baut gerade Kapazitäten für eine Nachfrage, die erst noch entstehen muss. Fast ein Viertel des Prospekts sind Risikofaktoren, inklusive Modelle, die sich ungern abschalten lassen.

One More: Die Zahl, die man zweimal liest

900 %. So hoch ist die Net Revenue Retention von Anthropic. Heißt übersetzt: Ein Kunde, der vor einem Jahr 100.000 $ pro Quartal ausgegeben hat, zahlt heute im Schnitt 900.000 $. Neukunden sind da noch gar nicht mitgezählt.

Zum Vergleich: Klassische SaaS-Anbieter feiern schon 120 % als Erfolg. Wer 150 % schafft, wird auf Konferenzen herumgereicht.

Für unsere Kunden geht es an dieser Stelle noch weiter.
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