KI-Unternehmen lassen Bücher scannen und anschließend schreddern

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Update

Nahaufnahme eines alten, geöffneten Buches, bei dem sich eine Seite dynamisch umblättert. Der Fokus liegt auf der Struktur der Papierseiten.

pixabay / Ri Butov

Seit dem Frühjahr passiert in deutschen Antiquariaten Merkwürdiges. Nachts treffen automatisierte Großbestellungen ein, per Vorkasse bezahlt, Absender meist das kanadische Unternehmen Zoom Books.
Dahinter steckt "Project Panama" des KI-Anbieters Anthropic. Die Buchseiten werden gescannt und anschließend wird das Buch geschreddert. Die Rede ist von rund 700.000 Büchern allein aus Deutschland.

Warum ist das wichtig?

Der Engpass in der KI-Ökonomie sind Daten. Die frei zugänglichen Texte im Netz sind für das Training moderner Sprachmodelle weitgehend ausgeschöpft. Also greifen die Anbieter zum Analogen.
Gefragt sind ausgerechnet die Ladenhüter. Fachbücher ab 1970 mit ISBN, die seit Jahren niemand wollte. Der Berliner Antiquar Urban Zerfaß beschreibt die Ökonomie dahinter so: 5 Euro fürs Buch, 40 Euro Versand und Zoll. In der Summe kam bei ihm ein mittlerer fünfstelliger Betrag zusammen.

Unsere Einordnung

Der ein oder andere fragt sich gerade: Hat Google das nicht längst erledigt? Richtig. Google Books hat über zwanzig Jahre rund 40 Millionen Bücher digitalisiert. Die Scans existieren. Sie liegen bereit. Nur nutzen kann sie kein KI-Anbieter fürs Training, weil die Rechte dafür nie erteilt wurden. Also nochmal das Ganze.
Der teuerste Teil moderner KI scheint inzwischen die Herkunft der Daten zu sein und nicht die Technik selbst.

One More: Warum schreddern?!

Die Anbieter nutzen ein juristisches Schlupfloch. Ein Buch ohne Erlaubnis aus dem Netz zu kopieren ist nach US-Recht ein Urheberrechtsverstoß. Besitzt ein Unternehmen das Buch physisch, fällt die Nutzung fürs Training unter Fair Use. Das Vernichten nach dem Scannen liefert den Beweis, dass keine illegale Kopie im Umlauf bleibt. Papier wird zur Eintrittskarte in die Legalität. In Deutschland sieht man das anders. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nennt die Praxis einen klaren Verstoß gegen das Urheberrecht und stellt klar, dass das Einscannen hierzulande so gar nicht erlaubt wäre.

Für unsere Kunden geht es an dieser Stelle noch weiter.
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