Bending Spoons: Kaufen, entlassen, kassieren, wiederholen

Unser Podcast mit Sven Kramer & Sebastian Karger

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Die digitale Welt dreht sich schnell! Dieser Artikel wurde vor mehr als 180 Tage veröffentlicht. Während die grundlegenden Überlegungen weiterhin relevant sein können, entsprechen möglicherweise nicht mehr alle Details oder Daten dem heutigen Stand. Benötigen Sie tagesaktuelle Einschätzungen? Sprechen Sie uns gerne an!

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Update

Banner mit der Aufschrift „We acquire and improve iconic products“ über App-Kacheln wie Eventbrite, StreamYard, AOL, Komoot, Evernote und Vimeo auf schwarzem Grund.

Bending Spoons

Evernote. Vimeo. Komoot. AOL. Klingt nach Browser-Bookmarks aus 2011. Ist aber das Portfolio von Bending Spoons, das Anfang Juli an der Nasdaq 1,68 Milliarden Dollar eingesammelt hat. Am ersten Handelstag 40 Prozent rauf, danach 18 Prozent runter. Die Mailänder kaufen alte Software, entlassen große Teile der Belegschaft, restrukturieren und monetarisieren. 601 Millionen Dollar Umsatz im ersten Quartal, 27,5 Millionen Nettogewinn. Es funktioniert also. Zumindest bis hierhin.

Warum ist das wichtig?

Weil hier eine These an der Börse getestet wird: Die Belegschaft einer Softwarefirma ist weitgehend austauschbar. Man kauft Kunden und Produkt, betreibt weiter, spart den Rest. Bending Spoons meldet 500 Millionen aktive Nutzer im Monat, von denen nur neun Millionen bezahlen. Und genau darin steckt für Bending Spoons der Hebel: Kosten reduzieren und parallel am Preisschild arbeiten.

Unsere Einordnung

Das Modell funktioniert nur, weil Software so gebaut wurde, dass sie ohne ihre Erbauer weiterläuft. Das ist erst einmal ein Kompliment. Gute Architektur überlebt ihr Team. Wer das hinbekommen hat, hat handwerklich einiges richtig gemacht.

Die spannende Frage ist die zweite Ableitung: Ein Produkt, das sich ohne Weiterentwicklung jahrelang trägt, sagt weniger über den Code aus als über seine Nutzer. Offenbar reicht vielen Anwendern ein Werkzeug, das einfach nur funktioniert. Kein neues Feature und kein Redesign. Nur Verfügbarkeit.

Und dann der Gedanke, an dem wir hängen geblieben sind: Könnte sich SAP das leisten? Technisch vermutlich eine Weile. Der Bestand ist tief in Prozesse eingewachsen, die Wechselkosten sind brutal, das Ding läuft. Wirtschaftlich wäre es trotzdem Selbstmord, weil SAP kein Produkt verkauft. SAP verkauft ein Versprechen auf die nächsten zehn Jahre.

One more: Revival oder Resterampe?

Zwei Lesarten desselben Deals. Lesart eins: Hier holt jemand vernachlässigte Marken aus dem Dornröschenschlaf, gibt ihnen ein Preismodell und einen Betreiber, der sie ernst nimmt. Lesart zwei: Hier melkt jemand Kundenlisten, bis nichts mehr kommt.

Der Unterschied zeigt sich an genau einem Indikator. Kommt nach der Übernahme noch ein Feature, das Nutzer wollten und nicht bekommen haben? Bei Evernote z.B. gab es tatsächlich wieder Bewegung. Bei Komoot kann man es noch nicht sagen.

Für unsere Kunden geht es an dieser Stelle noch weiter.
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