Wird SaaS durch KI zur Datenbank degradiert? Und was passiert mit Legacy-Software?

Our Podcast with Sven Kramer & Sebastian Karger

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Update

Anthropic

Jahrzehntelang war das Geschäftsmodell der SaaS Anbieter in Stein gemeißelt. Wer die Workflows kontrolliert, kontrolliert den Kunden. Doch der Wind hat gedreht. Aktuell peitscht eine Welle namens FOBO – Fear of Becoming Obsolete – durch die Wall Street. Und zwar aus 2 Gründen:

  1. Demokratisierung der Erstellung: Durch KI-gestützte Coding-Systeme können komplexe Softwarepakete heute in Minuten oder Tagen entwickelt werden, statt in Monaten. Die "Barrier to Entry" für Wettbewerber löst sich gerade in Luft auf. Das wird nicht für alle Anwendungen gelten, aber für viele.
  2. Verlagerung der Logik: Die eigentliche Funktionalität und Intelligenz wandert aus der klassischen Applikation direkt in die KI-Modelle ab. Wenn die KI den Workflow versteht und ausführt, wird das Frontend der Software austauschbar. Übrig bleibt im schlimmsten Fall nur eine glorifizierte Datenbank, die per API von einer KI "gemolken" wird.

Warum ist das wichtig?

Wenn eine KI wie Claude Code lernt, tief in die Eingeweide von Unternehmen vorzudringen, stellt das die gesamte Software-Landschaft und teils die Geschäftsmodelle auf den Kopf.

Beispiel IBM: Nachdem Anthropic verkündete, dass Claude die COBOL Anwendungen – die 65 Jahre alte Programmiersprache, die das Rückgrat des globalen Finanzsystems bildet – automatisiert modernisieren kann, rauschte die IBM-Aktie an einem Tag um 13 % in den Keller. Das ist der schlimmste Kurseinbruch seit dem Dotcom-Crash im Jahr 2000. Warum? Weil das hochprofitable Legacy-Business, für das man bisher Heerscharen an spezialisierten (und teuren) Entwicklern brauchte, plötzlich per Mausklick disruptiert wird.

Unsere Einordnung

Ist das jetzt die totale SaaS-Apokalypse? Wir sagen: Ruhig Blut, aber keine Ignoranz. Während teils Hysterie an der Börse herrscht, sitzen die Software Anbieter auf zwei Dingen: Proprietären Daten und tiefem Domain-Wissen. Die Gefahr besteht u.a. für "Middleware-Software", die lediglich Informationen von A nach B schiebt, ohne eigenen Mehrwert zu generieren. Wer nur das Interface für einen Prozess bietet, den die KI morgen besser versteht, hat ein Problem. Wer die Datenhoheit hat, wird wohl auch die Macht behalten.

One more: Das Risiko des Nichtstuns

Die Prämisse, Legacy-Systeme seien durch "Komplexität" geschützt, hat durch KI Ihre Gültigkeit verloren. Wenn 95 % aller Geldautomaten-Transaktionen auf COBOL basieren und die KI diesen Code plötzlich fließend spricht, ist die "Security by Obscurity" Geschichte.

Für unsere Kunden geht es an dieser Stelle noch weiter.
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