Es gab mal ein paniertes Stück Geflügel, das nicht Schnitzel heißen durfte. Tillman's hat daraus eine Kampagne gemacht: "Don't call it Schnitzel." Ehrliche Ansage. Der Name wäre gelogen gewesen.
Immer mehr Unternehmen kleben das Wort "Agent" auf Produkte, die im Kern sehr gute Assistenten sind. Ein Chatbot mit Datenbankzugriff wird zum Research Agent. Eine Automatisierung mit drei If-Bedingungen wird agentisch.
Ein Beispiel, an dem sich die Mechanik gut zeigen lässt: Scalable Capital hat "Agentic Investing" vorgestellt. Kunden verbinden ihr Depot per MCP-Server oder CLI mit ChatGPT, Claude oder Grok und können dann in natürlicher Sprache traden, Sparpläne anlegen, Watchlists pflegen oder Portfolioanalysen abrufen.
Die Überschrift der eigenen Pressemitteilung lautet allerdings "Zugang für KI-Assistenten". Das Wort "Assistent" taucht im Text ein knappes Dutzend Mal auf. Vorne auf der Packung steht trotzdem Agentic. Wir greifen Scalable heraus, weil dort alles offen dokumentiert ist. Diesen Absatz könnte man mit zwei Dutzend anderen Namen füllen.
Warum ist das wichtig?
Die Trennlinie verläuft an einer Frage: Wer zerlegt das Ziel in Schritte? Unsere Auffassung dazu:
Ein Assistent bekommt eine fertige Anweisung. "Ändere das Limit meiner Apple-Order auf 5 Prozent unter dem Brief-Kurs" ersetzt vier Klicks durch einen Satz. Gedacht hat vorher der Mensch.
Ein Agent bekommt ein Ziel. "Investiere mein Geld und steigere mein Vermögen." Darin steckt keine einzige Handlung. Keine Papiere, keine Beträge, kein Risikorahmen. Das müsste das System selbst herleiten und laufend nachjustieren.
In den Prompt-Beispielen von Scalable findet sich ausschließlich die erste Kategorie. Jedes dieser Beispiele setzt voraus, dass der Kunde bereits weiß, was er will. Verschoben hat sich die Eingabemethode.
Die Regulierung erklärt das nur halb. MiFID II begründet die Freigabe vor jedem Trade. Sie begründet nicht, warum das abstrakte Ziel gar nicht erst angenommen wird.










